Leimenmatt Lichtenau-Ulm
Auf einer umgebrochenen Feuchtwiese in Lichtenau-Ulm (rund 35 ar) entstehen mehrere Laichtümpel. Schnell wird dieses Feuchtbiotop von Grasfrosch, Wasserfrosch, Erdkröte und Bergmolch angenommen. Zusammen mit Jägern werden auf dem Grundstück Feldgehölz, Erlen und Weiden gepflanzt und ringsum ein Wildschutzzaun errichtet. Zwischenzeitlich hat sich das Grundstück zu einem Rückzugsgebiet für Kleinsäuger, Amphibien, Singvögel und Spechte entwickelt. Das Grundstück wurde im Jahr 2004 vom NABU gekauft, nachdem zuvor durch den NABU laufend Pflegemaßnahmen durchgeführt wurden. Dazu hat der NABU auch private Spenden erhalten.

Feldgräben, Wasserläufe, Feldgehölzpflanzung
Mit der Bepflanzung des Krapfhurst- und Brandgrabens in Lichtenau/Scherzheim nach dessen Ausbaggerung im Jahr 1985 wird die Bedeutung der Feldgräben wegen der vielen kleinen Feuchtzonen mehr in den Vordergrund gerückt. Der NABU pflanzt rund 1000 Feldgehölze entlang der Randzonen, die jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht sehr lange bestehen bleiben sollten.
Im Zuge der Bachpatenschaften 1984/85 wurde mit großem personellen Aufwand und einem Kosteneinsatz von rund 2.500 DM der Uferstreifen am Bachrand des Mühlbaches in Stollhofen mit Feldgehölz und einzelnen Bäumen im Frühjahr bepflanzt. Bereits im Sommer/Herbst des gleichen Jahres wurden die meisten Pflanzen von einem Mulchgerät in kleines Häckselmaterial zerlegt.

Anpflanzung Feuchtbiotop Riedmatt, Scherzheim
Die Riedmatt (südlich des Riedsees) wird von einem größeren, tiefen Geländestreifen aus Schilf und Hecken geprägt. Der NABU hat hier 1985 rund 50 ar mit Feldgehölz und Bäumen bepflanzt. Nun ist die bewachsene ehemalige Altrheinschlut etwas mehr vor Eingriffen geschützt.

Wiesenflächenerhaltung “Riedmatten”
Die Riedmatten in Leiberstung waren einst ein Eldorado für den Großen Brachvogel, Kiebitze und Bekassine. Die Wiesen sind heute noch wichtige Habitate für Feldlerchen, Grasfrsoch, Feldhase, Fasan, Rebhuhn, Weißstorch und durchziehende Greifvögel wie z. B. Kornweihe, Wiesenweihe. Diese Feuchtwiesen wurden zum Anbau von Mais umgebrochen, jedoch ohne großen Nutzen. Danach bewaldeten sich einige Hektar dieser umgebrochenen Wiesenflächen mit Erlen und Weiden. Der NABU pachtete 1990 teilweise diese Flächen und hat sie wieder in Wiesen umgewandelt. Dabei wurden 11.600 DM (insbesondere aus staatlichen Mitteln) aufgewendet. Außerdem hat der NABU einige Flächen aufgekauft. Leider sind Brutvorkommen des Großen Brachvogels ab den 80er Jahren ausgeblieben. Zu viele Flächen wurden entwässert und natürliche Senken verfüllt. Der NABU Sinzheim hat auf einzelnen Flächen Flutmulden wieder anlegen lassen, die regelmäßig gepflegt werden.

Fünfheimburgerwald, einmaliges Wiesen- u. Feuchtbiotop
Diese Grefferner Exklave, nördlich vor den Toren Michelbuchs bei Gamshurst gelegen, ist unser Top-Wiesenfeuchtbiotop, dem das gleiche Schicksal widerfuhr wie fast allen sogenannten nutzlosen Feuchtgebietswiesenflächen. Durch das Anpachten von Flächen konnte der NABU vermehrt Flächen von der Gemeinde Rheinmünster und vom Land Baden-Württemberg von insgesamt rund 30 ha erhalten. An dieser Stelle gilt auch ein Dank an den Ortschaftsrat Greffern. Mehrere Hektar umgebrochene Feuchtwiesen hat der NABU wieder neu angelegt. Aufgrund der neuen EU-Richtlinien hat der NABU die Flächen den bisherigen Bewirtschaftern überlassen.
1981 gab es hier noch fünf Brutpaare des Großen Brachvogels. Die Bekassine war hierebenso beheimatet wie der Wachtelkönig. Diese seltenen Vogelarten haben hier keine Heimat mehr. Bis vor kurzem noch hat sich ein Brutpaar des Großen Brachvogels halten können. Farbig: NABU-Pachtflächen

Orchideenwiesen in den Rheinauen
Der NABU kümmert sich seit den 80er Jahren um die letzten Orchideenbestände in Greffern und Stollhofen und wurde hier insbesondere vom Ökomobil mit ihrem Sachverständigen und Einsatzleiter Wolfgang Reinhard unterstützt, welcher mit seinem exzellenten botanischen Wissen eine besonders wertvolle Naturschutzarbeit leistet. Das jährliche Mähen und der Gehölzrückschnitt ist mehr als notwendig. Das Ergebnis: seltene Orchideenarten wie Helmknabenkraut, Pyramidenorchidee, Waldhyazinthe, Zweiblatt, Bienenragwurz u.v.a. haben wieder einen Lebensraum gefunden. Dies stellt für unsere Nachwelt einen besonderen Schatz dar, der nicht hoch genug zu bewerten ist.
Der NABU hat hier in den vergangenen Jahren viele Finanzmittel aufbringen müssen, die größtenteils durch staatliche Zuschüsse gefördert wurden (pro Jahr zwischen 3.000 - 4.500 DM). Weitere Orchideenvorkommen gab es vor den Poldermaßnahmen an den Hochwasserdämmen in Rheinmünster und auf einzelnen Waldwiesen. Die angeordneten Eingriffe haben sich hier leider negativ auf das Orchideenvorkommen ausgewirkt.

Erwerb von großer Feuchtwiese
Der NABU hat von der evangelischen Kirche in Scherzheim ein ca. 2 ha großes und besonders feuchtes Grundstück im Gewann “Hungersort” erwerben können. Auf dem Areal hat der NABU mehrere Flachwasserteiche angelegt. Die Teiche sind wichtige Brutstätten, für viele Libellen- und Amphibienarten. Die Pflege der Wiese wird alljährlich von einem Biolandwirt durchgeführt.

Sicherung von Eisvogelwänden
Aufgrund permanenter Störungen unmittelbar an einer Steilwand (Brutbiotop für den Eisvogel) am Ulme Baggersee hat der NABU gehandelt und das Biotop durch die Errichtung eines Zaunes nebst der Pflanzung verschiedener stacheliger Feldgehölze gesichert. An Kosten wurden damals über 500 DM aufgewendet. Eine ähnliche Aktion führte der NABU zusammen mit dem Kieswerk Krieger, dem Forst und der Gemeinde Rheinmünster am süd-westlichen Ufer des Baggersees durch. Außerdem konnte der NABU mit konstruktiven Vorschlägen bei der geplanten Rekultivierung der südlichen Uferzone der Kieswerksfirma erhebliche Kosten für die geplanten Maßnahmen einsparen. Ähnliche Maßnahmen wurden entlang von natürlichen Fließgewässern (Acher und Mühlbach) unternommen mit dem Abstechen von Steilwänden.

Bachpatenschaften, Acherstau
Mit der Idee der Bachpatenschaften 1984 hat sich die NABU-Gruppe Lichtenau/Rheinmünster insbesondere um die natürlichen Flussläufe bemüht u. a. um den Schwarzbach in Lichtenau oder den Mühlbach in Stollhofen. Dazu siehe auch Aktion Eisvogelwände, Bepflanzungen. Für den Schwarzbach erreichten wir mit unserer hartnäckigen Haltung, dass künftig das Oberflächenwasser direkt nach Lichtenau/Ulm geleitet wird. Trotzdem war das vorhandene Wasser im Schwarzbach nie ausreichend, obwohl wir verschiedene Vertiefungen und kleine Anstauungen vornahmen.
Die NABU-Gruppe hat die einst sehr reparaturbedürftige Acherschließe bei der ehemaligen Sägemühle Wahl in Scherzheim neu installieren lassen, damit der Grundwasserspiegel im Gewann Stecket, Heulänger und im Striethwald nicht zu stark absinkt. Mit dieser Maßnahme behielt ein größeres Gebiet oberhalb der Stecketsiedlung in Scherzheim mit den vorhandenen Senken und Feldgräben noch den Feuchtgebietscharakter. Die Aufrechterhaltung der Wasserstauung wurde verbunden mit einem Fischaufstieg. Die Planung übernahm das Ing. Büro Zink. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 140.000 DM, die größtenteils aus staatlichen Zuschüssen, aus einem Zuschuss der staatlichen Fischereiverwaltung und der Stadt Lichtenau bestritten wurden, so dass der NABU hier wenig Mittel selbst investieren musste.

Veränderungen der Fließgewässer (Rekultivierungen)
Unsere Tätigkeiten bzgl. der Fließgewässer verlagerten sich insbesondere auf die Bewirtschaftungsweisen der künstlichen Gewässerläufe (AREKO), was insbesondere schriftliche Arbeit war. Das erste Ergebnis war die Renaturierung des Fünfheimburgerwaldgrabens als Pilotprojekt auf einer Strecke von rund 1,5 km. Die NABU-Gruppe Lichtenau/Rheinmünster fordert seit den frühen 90er Jahren die Renaturierung der AREKO-Gewässer “Rheinniederungskanal” und “Scheidgraben”. Bis heute blieben unsere Vorschläge ungehört. Neue Hoffnung gibt dem NABU nun die EU mit der neuen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Die einst vom NABU Lichtenau/Rheinmünster vorgetragenen Ideen zur Gewässerverbesserung sollen nun neu aufleben und realisiert werden (z. B. auch die Verbesserung der Gewässerläufe Mühlbach und Acher durch Fischaufstiege bei der Heckenmühle in Stollhofen oder an der Lichtenauer Mühle).

Westwall-Bunker-Ruinen
Was zunächst wie ein aussichtsloses Unternehmen aussah, entpuppte sich Jahre später als Triumph. Dem NABU Lichtenau/Rheinmünster ist es gelungen, mit allen möglichen legalen Mitteln, dass nicht alle Westwall-Bunker aus Sicherheitsgründen gänzlich beseitigt wurden und als Biotope der besonderen Art erhalten werden konnten. Die Presse (Lokalpresse ABB, BT, “Der Spiegel”, “NATUR”) aber auch Funk und Fernsehen hat sich mit diesem Thema ernsthaft beschäftigt. Dazu beigetragen haben ebenso unsere Kommunen, die Bundestagsabgeordneten Dr. Renate Lepsius, SPD, Dr. Liesel Hartenstein, SPD Dr. Peter Götz, CDU und Prof. Dr. Bernhard Friedmann, CDU, Ottersweier. Letzterer hat durch seine persönlichen Kontakte vor 20 Jahren zu den zuständigen Behördenleitern einen entscheidenden Impuls setzen können.
Der NABU hat hier zwei Dinge erreicht:
1. Viele Bunkerruinen konnten als “ökologische Trittbrettsteine” erhalten bleiben.
2. dem Staat wurden Steuergelder von mehreren sechsstelligen Summen erspart.
Die Bunkergrundstücke bieten in der freien Feldflur für Kleinsäuger wie Igel, Wiesel, Mäuse, Kaninchen und Feldhasen, aber auch Fuchs, Fasan, Rebhuhn sowie für viele Singvogelarten, Rabenvögel, Greife, Kauze, Schmetterlinge, bis zu 150 verschiedene Käferarten, Reptilien und Amphibien Unterschlupf und Nahrungsquelle.

Herbert Schön