Eisvogelprojekt

Die in unseren Rheinauen vorhandenen Altrheinarme, Flußläufe und Baggerseen bieten dem Eisvogel optimale Lebensbedingungen, falls Steilwände ihm den Bau seiner Niströhren möglich machen. Leider sind viele solcher Abbrüche durch Abräumungen und Erweiterungen der Baggerseen oder durch Witterungseinflüsse zerstört worden und waren als Brutplätze für den Eisvogel nicht mehr nutzbar.
Da aber das Brutplatzangebot für den Eisvogel der limitierende Faktor ist, sind Hilfsmaßnahmen, die für zusätzliche Nistplätze sorgen, besonders wichtig.
Hierzu zählen:
- Bau künstlicher Steilwände aus Holz oder Beton
- Anlegen künstlicher Nisthöhlen
- Aufschütten sog. Nistblöcke
- Lotrechtes Abstechen lehmiger Gewässerufer
Von allen diesen Möglichkeiten hat sich nur die letztere als schnell und erfolgsversprechend erwiesen.
Alle vorher genannten Maßnahmen sind finanziell zu aufwändig, nicht naturnah und für den Bestand relativ bedeutungslos.
Auch für unsere Ortsgruppe waren daher der Erhalt bestehender und die Schaffung neuer Steilwände die wichtigsten Projekte zum Schutz des Eisvogels.
Schon seit vielen Jahren ist eine großflächige Steilwand am Ulmer Baggersee ein wichtiges Brutrevier. In einer groß angelegten Aktion des NABU wurde diese so mit Draht und Pflanzen eingezäunt, dass die Vögel ungestört brüten können. Witterungsbedingte Einebnungen der Steilzone werden durch regelmäßiges Abstechen wieder beseitigt. Ähnliche Aktionen wurden am Kriegersee im Zuge von Renaturierungsmaßnahmen im südwestlichen Uferbereich mit Hilfe der Kieswerksfirma und der Gemeinde Rheinmünster durchgeführt.
Regelmäßig beobachten wir verschiedene Abschnitte von Fließgewässern, um sie an geeigneten Uferabschnitten, die mindestens 1m über dem Wasserspiegel liegen und störungsfrei sein müssen, abzustechen, so dass neue Steilwände entstehen, die der Eisvogel als Brutstätte annehmen kann.
Da Eisvögel sehr scheu sind und besonders während der Brutzeit extrem empfindlich auf Störungen reagieren, verzichten wir auf Kontrollen der Nistplätze. Das Vorhandensein einer Niströhre ist jedoch immer ein sicheres Zeichen dafür, dass der Brutplatz angenommen wurde.

Wissenswertes

Kennzeichen
Der farbenprächtige Eisvogel ist kaum zu verwechseln. Er ist etwas größer als ein Sperling, auffallend kurzschwänzig und besitzt einen kräftigen Schnabel. Die Oberseite seines Gefieders glänzt kobaltblau bis türkisfarben. Die Unterseite ist orangebraun. Beim schnellen Flug direkt über der Wasserfläche hört man oft seinen durchdringenden, hohen Ruf.

Nahrung
Die Hauptbeute des Eisvogels besteht aus kleinen Süßwasserfischen. Er erbeutet sie, indem er kopfüber die Wasseroberfläche durchstößt. Aber auch Insekten, kleine Frösche und Kaulquappen stehen auf seinem Speiseplan.

Fortpflanzung und Lebensraum
Der Eisvogel benötigt zum Brüten Steilufer an Gewässern mit reichem Angebot an Kleinfischen und Sitzwarten. In das Ufer wird von beidern Elternteilen die Niströhre mit einer Tiefe bis zu 90 cm gegraben. In diese legt das Weibchen frühestens Anfang März 6 bis 7 weiß glänzenden Eier. Beim Eisvogel sind zwei Jahresbruten üblich und nötig, um die hohen Verluste in harten Wintern auszugleichen (s.u.).

Bestand
Der europäische Gesamtbestand wird auf etwa 150.000 Brutpaare geschätzt; von denen 4.500 bis 7.000 in Deutschland brüten Der Eisvogel steht auf der Roten Liste für stark bedrohte Arten.

Gefährdung
In einem strengen Winter, in dem fast alle Gewässer vereist sind, kann 90% des Bestandes zerstört werden. Diese Bestandseinbrüche werden jedoch durch die hohe Geburtenrate bald wieder ausgeglichen. Wesentlich kritischer sind Ausbau und Kanalisierungen von Fließgewässern und wasserbauliche Maßnahmen, die zum Verlust von natürlichen Steilufern führen, auf die der Eisvogel zum Anlegen seiner Brutröhre angewiesen ist.
Vogel des Jahres war der Eisvogel im Jahr 1973. Hier können Sie mehr erfahren und seinen Ruf hören.