Erdkrötenprojekt

Eine in unserem Gebiet wichtige Erdkrötenpopulation existiert zwischen Scherzheim und Lichtenau im Bereich der Gewanne Brandfeld und Bronngass, auf deren Äckern sie überwintern. Jährlich im Frühjahr, sobald die Temperaturen 10°C erreichen, verlassen die Erdkröten ihre Winterquartiere und beginnen, zu ihren Laichgewässern, den „Hanfretzen Teichen“ zu wandern . Abhängig vom Witterungsverlauf ist dies Ende Februar bis Mitte März der Fall. Bei ihrer nächtlichen Wanderung müssen sie leider das stark befahrene Verbindungssträßchen zwischen Scherzheim und Lichtenau überqueren
Um einen Massentod der Tiere durch Überfahren zu verhindern, sperren wir während der Dauer der Laichzeit bis Anfang April mit Genehmigung des Landratsamtes und der Gemeinde Lichtenau täglich von 19:00 Uhr bis 7:00 Uhr die Straße für den Durchgangsverkehr.
Um einen Eindruck über den zahlenmäßigen Verlauf der Wanderung zu erlangen, wird jeden Abend um 22:00 Uhr eine Zählung vorgenommen. Natürlich ist uns bewußt, dass dies nur eine Momentaufnahme ist, die aber sicherlich eine Aussage über das gesamte nächtliche Wanderungsgeschehen zuläßt. Wir können und wollen unseren freiwilligen Helfern nicht zumuten, wochenlange Nachtschichten zu absolvieren.
An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei der Bevölkerung bedanken, die zum überwiegenden Teil großes Verständnis für die Sperrung der Straße aufbringt.
Unser Dank gilt auch der Gemeindeverwaltung Lichtenau für die Bereitstellung der nicht unerheblichen finanziellen Mittel für die Absperreinrichtung.
Leider muß aber auch erwähnt werden, dass letztere oft durch unsinnigen Vandalismus beschädigt wird. Appelle an die Vernunft scheinen hier sinnlos zu sein. 

Wissenswertes

Kennzeichen:
Erdfarben gesprenkelt, ca. 9 cm die Weibchen bis ca. 11 cm groß. Die Tupfen sind im Gegensatz zu alten Schauermärchen keine Warzen. Als willkommene Frühlingsboten treten sie Ende März - Anf. April die Wanderung zu den Laichgewässern an. Erdkrötenweibchen sind deutlich größer als ihre Männchen und sind stets in der Minderheit.
Vorkommen:
Überall, wo es frostgeschützte Winterquartiere unter Brettern, größeren Steinen, Laub oder Buschwerk im lockeren Boden gibt in Verbindung mit einem erreichbaren Gewässer oder Tümpel.
Verhalten:
Die ersten warmen Frühlingsnächte (über 10° C) gepaart mit leichtem Regen lösen Massenwanderungen der geschlechtsreifen Tiere zu ihren Laichgewässern aus. Die kleineren Männchen nutzen jede Gelegenheit, schon während der Wanderung auf ein Weibchen „aufzusitzen“ und sich so als wahre Machos zum Laichgewässer mittragen zu lasen.
Nahrung:
Erdkröten sind eifrige Vertilger von verschiedensten Kerbtieren und Schnecken, darunter auch die bei Gartenfreunden so unbeliebten Nacktschnecken. Die Kaulquappen ernähren sich von mikroskopisch kleinen Algen und allen möglichen abgestorbenen organischen Materialien.
Fortpflanzung:
Nachdem die aus nahezu 8.000 Eiern bestehenden bis zu 5 m langen Eischnüre im Uferbereich abgelegt und befruchtet wurden, wird der Nachwuchs sich selbst überlassen. Je nach Witterung wandeln sich die kleinen Kaulquappen nach etwa 2 – 3 Monaten gegen Ende Juni/Anfang Juli zu nur fingernagelklleinen Kröten um und verlassen ihr Geburtsgewässer.
Gefährdung:
Straßen, die zwischen Winterquartier und Laichgewässer liegen, bilden das größte Gefährdungspotenzial. Hierbei werden besonders die ohnehin selteneren Weibchen, die durch ihren männlichen Transportgast schwerfälliger sind, Opfer des Straßenverkehrs. Durch die in zerquetschtem Zustand wirklich glitschigen Tiere kommt es dadurch jedes Jahr wieder zu folgenschweren Unfällen. Zu den Fressfeinden der Erdkröte gehören Beutegreifer wie die verschiedenen Marderarten, Katzen, Waschbären, Schlangen wie die Ringelnatter und einige Greif- und Rabenvögel sowie Graureiher. Jungkröten werden auch von Singvögeln und großen Laufkäfern erbeutet. Den Kaulquappen stellen vor allem Raubfische wie Hecht und Barsch sowie Larven von Wasserinsekten, etwa des Gelbrandkäfers oder von Großlibellen, nach.
Schutzmöglichkeiten:
Sperrung der Straßen in den Nachtstunden während der Zeit des Laichens. Dies praktiziert unsere Ortsgruppe zwischen Lichtenau und Scherzheim (s. dazu nächste Seite). Eine andere Möglichkeit ist das Aufstellen von Krötenzäunen entlang der betreffenden Straßen. Die Kröten laufen am Zaun entlang und landen in im Boden eingegrabenen Eimern. In diesen werden sie durch freiwillige Helfer über die Straße getragen.
Jeder Gartenbesitzer kann den Kröten helfen! Komposthaufen oder ein Reisig- oder Laubhaufen in einer versteckten Ecke des Gartens/Ackers können sowohl als Unterschlupf im Sommer als auch als Überwinterungsplatz dienen, und ein kleiner Gartenteich wird vielleicht mit der Zeit als Laichgewässer angenommen.
Glücklicherweise hat sich die Einstellung gegenüber der Erdkröte heutzutage erheblich geändert. In Gärten und anderen Kulturlandschaften erweisen sie sich von unschätzbarem Nutzen bei der gänzlich ungiftigen Schädlingsbekämpfung.

Ergebnisse

Das Diagramm zeigt, dass in den Jahren 2002 - 2004 jeweils eine nennenswerte Anzahl von Tieren zu dem Laichgewässer wanderte. Einen dramatischen Rückgang gab es dann im Jahr 2005 und dieser setzte sich im Jahr 2006 fort. In diesen letzten beiden Jahren kann man kaum noch von einer Wanderung sprechen. Leider kennen wir die Ursache für diesen drastischen Einbruch nicht und können daher nur spekulieren.
Mögliche Gründe könnten sein:
- klimatische Einflüsse. Zumindest für das Jahr 2006 wäre das extrem kalte Frühjahr eine Erklärung.
- Veränderungen am Laichgewässer. Hierüber ist uns allerdings nichts bekannt und es ist auch nichts ersichtlich.
- Veränderungen der umliegenden Äcker und Wiesen, die den Kröten als Winterquartiere dienten. Aber auch hier ist nichts offensichtlich.
Trotz der enttäuschenden Zahlen der letzten zwei Jahre werden wir das Programm auch im Jahr 2007 fortsetzen und hoffen, dass die Population sich erholt und wieder stabilisiert.
2007: In diesem Jahr sah das Ergebnis wesentlich besser aus als im Vorjahr (siehe Diagramm). Obwohl die Zahlen der Jahre 2002 - 2004 bei weitem nicht erreicht wurden, kasnn man man mit vorsichtigem Optimismus von einer Stabilisierung sprechen.
2008: Die nächtliche Schließung des Verbindungssträßchens fand vom 29.2. bis 9.4. statt. Leider konnte in diesem Jahr keine Zählung durchgeführt werden.