Alter Munitions-Bunker im Baden-Airpark Rheinmünster

Umfunktionierung zu einem Fledermaus-Quartier –

Vor etwa 11 Jahren bemühte sich die NABU-Gruppe Lichtenau/Rheinmünster bei der Verwaltung des Baden-Airpark um einen alten Munitions-Bunker F 210 , welcher nicht mehr genutzt wurde und im Naturschutzgebiet „Stollhofener Platte“ sich befindet (siehe. Karte Geoportal). Der Bunker ist  12 m lang und 6 m breit und hat eine Höhe von ca. 3 m (2 Fotos aus 2011) 

An der gewölbten Betondecke konnten die Helfer des NABU mit Hilfe von speziellen Dübeln die entsprechenden Hohlsteine und andere Unterschlupfmöglichkeiten für Fledermäuse Hölzer anbringen.

Der Bunker ist mit einer Eisen-/Stahl-Flügeltür verschlossen. Im oberen Bereich der Flügeltür konnten wir mit dem Breitenmaß von 50 cm und einer Höhe von 6 cm eine Einflug-Öffnung gestalten. Da die Fläche vor dem Bunker von Bewuchs praktisch frei ist, kann der Anflug bzw. die Ortung der Öffnungen von den Fledermäusen problemlos erfolgen. Außerdem besteht eine gewisse Frostsicherheit durch die Betondecke, welche mit Erdreich von einem Meter gut isoliert bzw. abgedeckt ist. Der alte Bunker besitzt am hinteren Ende ein Kamin und vorn, neben der eisernen Flügeltür, links und rechts, zwei Lüftungsschlitze. 

Letztlich eignen sich die lichten Bestände des umgebenen Waldes gut für die Anbringungen von Fledermauskästen an einzelnen Baumstämmen. Dies wurde in einer gemeinsamen Aktion vom NABU und von Hauptschülern der Hauptschule Rheinmünster im Jahr 2012 durchgeführt. Diese Investitionen wurden insbesondere von einem NABU-Mitglied gesponsert, welche bei seinem runden Geburtstag seine Präsente als Geldspenden an den NABU „umleitete“. Öffentliche Zuschüsse waren somit nicht notwendig, zumal weitere Spenden von Gewölbesteinen etc. von weiteren Spendern eingegangen sind. Außerdem wurde hauptsächlich mit handwerklichem Geschick von NABU-Helfern das Quartier peu á peu hergerichtet. 

Alleine mit dem Herrichten des alten Bunkers und der Anbringung von Gewölbesteinen und anderen Fledermaus-Quartieren war es nicht getan. Verwundert waren wir in den ersten Jahren, dass die Luftfeuchtigkeit noch zu wünschen übrig lässt. (knapp bei 70%) Dann wurde eine LKW-Ladung Oberboden von fleißigen NABU-Aktiven in den Bunker am Betonboden verteilt (2017), so dass dort etwa 10 – 15 cm Boden flach verteilt war. Auch danach bekamen wir mehrmals Hilfe von einem ortsansässigen Landwirt aus Stollhofen, welcher mit einem 4 cbm Wasserfass mindestens 4 x, verteilt über die Jahre, den im Bunker eingebrachten Oberboden vernässte.

Zudem installierte ein Vorstandsmitglied vom NABU einen Blechtrichter am Kamin des Bunkers , damit der eingefangene Regen letztlich in den Innenraum vom Bunker hinab fliessen konnte. Dies reichte zunächst für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit im Bunker aus, aber schnell war die über 90%ige Luftfeuchtigkeit wieder dahin. . 

Zudem installierte ein Vorstandsmitglied vom NABU einen Blechtrichter am Kamin des Bunkers , damit der eingefangene Regen letztlich in den Innenraum vom Bunker hinab fliessen konnte. Dies reichte zunächst für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit im Bunker aus, aber schnell war die über 90%ige Luftfeuchtigkeit wieder dahin. . 

Analog zum Vorschlag von der Fledermaus-Expertin Ingrid Kaipf im Jahr 2019 kam bei uns der Entschluss, zum Kamin-Aufsatz eine breite Regenrinne zu installieren, wo noch mehr von dem aufgefangenen Regenwasser in den Innenraum des Bunkers geleitet werden konnte.

Nun hätte man sich eigentlich zurücklehnen können, zumal wir seit 2017 auch den Beweis erbringen konnten, dass Fledermäuse (zumindest im Sommer) das Quartier annehmen.

Die teilweise höhere Luftfeuchtigkeit hatte mir kurzfristig den erhofften Erfolg gebracht. Zu schnell war dies alles wieder vergebene Mühe, bis wir den Versuch unternahmen, die beiden Lüftungsschächte im Bodenbereich des Bunkers mit Stellplatten zu schließen. Danach kam uns die Erkenntnis, dass der ständige Luftzug, ausgehend von den Lüftungsöffnungen am Boden zum Kamin, für die schnelle Abnahme einer annehmbaren Luftfeuchtigkeit über 80% verantwortlich zeichnete. Nunmehr erreichen wir in den Sommermonaten trotz der vergangenen und ausgesprochenen heißen Sommerjahre in der Regel immer über 90 % Luftfeuchtigkeit im Bunker Anfang Sept. 2022 zeigte der Hydrometer immer noch 84% Feuchtigkeit an. 

Nach dem Motto: gut Ding braucht Weile, hätten wir die Sache nach vielen Jahren in den Griff bekommen. Jetzt warten wir noch auf Fledermäuse, die das Quartier auch im Winter annehmen.

Anfang November 2022 konnten wir wieder eine Fledermaus in einem Gewölbestein entdecken. 

Bericht zum Heimatgruß 2022  f. Heimatverein „Medicus“ Lichtenau

In der auf Okt. 2021 verschobenen NABU-Jahreshauptversammlung (JHV) konnten wir insgesamt acht unserer Gründungsmitglieder für 40-jährige Vereinstreue auszeichnen. Ehrungen wurden ebenso zuteil für 16 NABU-Mitglieder für deren 30- und 20-jährige Vereinstreue.     

Neben der neu beschlossenen Vereinssatzung wurden in der JHV  die Vorstandschaft in ihrem Amt neu bestätigt:  Die Geschicke im NABU Lichtenau/Rheinmünster führen künftig wieder Herbert Schön (Vorsitzender), Andreas Wahl (Stellv. Vorsitzender), Edeltraud Link (Kassiererin), Marion Schäfer (Schriftführerin), Roland Müller, Gerald Friedmann und Dirk Schoch (alle als Beisitzer). 

     Einen großen Arbeitsaufwand hatten die NABU-Aktiven mit der Durchführung und   Gestaltung zum 40-jährigen Bestehen der NABU-Gruppe Lichtenau/Rheinmünster zu  bewältigen. Die Jubiläumsfeier wurde am 14. Mai in der ausgeschmückten Wasenhalle in Scherzheim mit NABU -Mitgliedern und Gästen würdig gefeiert. Zuvor fanden zwei  Exkursionen zu Fuß und mit dem Fahrrad durch einheimische Gefilde mit den verschiedenen „Brennpunkten“ statt . 

     Mit einer Bild-Präsentation wurde die Natur- und Umweltschutzarbeit im Rückblick mit erfolgreichen und weniger erfolgreichen Projekten und Themen dargestellt. Anwesende konnten sich anhand von Schautafeln, versch. Nisthilfen und Bildern Naturwissen aneignen.  Von beiden Geschäftsführern im NABU-Bezirk Mittlerer Oberrhein, Anita Beha und Martin Klatt, erhielt Herbert Schön, Vorsitzender, ein Bild-Präsent überreicht. Umfangreichen Berichterstattungen in der örtlichen Lokalpresse und Amtsblättern bildeten für das NABU-Jubiläum einen würdigen Rahmen in der Öffentlichkeit. 

     Neben den NABU-Themen u. Projekten findet jährlich unter Mitwirkung der                 NABU-Gruppe Lichtenau/Rheinmünster ein Jahresprogramm statt. Mit allerlei Exkursionen und ähnlichen Veranstaltungen konnten sich Naturliebhaber vor Ort informieren. 

   Im zurückliegenden Sommer ist vieles nicht mehr so wie es war. Bäume und Hecken starben ab, Bäche versiegen und der Wasserbedarf stieg dramatisch. Der Grundwasserspiegel erreicht eine Rekordtiefe. Klimawandel pur. Doch vieles liegt auch in Menschenhand. Im mittelbadischen Raum, genauer im Bereich der „Acher“ und „Rench“,  wurde in den 60er Jahren die Acher-Rench-Korrektion abgeschlossen. Diese Region wurde zu Gunsten der Landwirtschaft systematisch entwässert, was sich jetzt rächt,  zumindest teilweise. Es ist nicht nur der ständig sinkende Grundwasserspiegel, der  Landwirtschaft und Wälder zu schaffen macht. Baumwurzeln können an feuchte Erdzonen oder an das Grundwasser nicht schnell genug mit den Wurzeln nachziehen. Mit gravierenden Folgen. 

Foto von Steffi Schoch – Nabu-Vorstandschaft

Das Problem hat der NABU schon vor Jahren mit bei der Austrocknung der Landschaft erkannt. Der immense Rückgang der Amphibien war u. a. eine der Erkenntnisse. Beispiel: vor wenigen Jahren konnten wir am Sportplatzweg am Hohlerwald bei Stollhofen noch rund 1.500 verschiedene Lurche zählen. Seit einem Jahr gibt es dort nur noch wenig Zählbares an Lurchen (Erdkröte, Grasfrosch, Springfrosch) zu berichten. Eine Wasserrückhaltung des abfließenden Grundwassers im Scheidgraben oder anderen Areko-Gewässern wird leider wegen der geschützten Bachmuschel entsagt. 

Deprimierend stehen auch die Bemühungen dar, den Rückgang der Wiesenbrüter wie Kiebitz, Großer Brachvogel, Feldlerche aufzuhalten. Vielerorts sind inzwischen auch viele Singvogelarten betroffen, die in unserem Raum kaum noch vorkommen oder stark dezimiert sind. 

Der schlechte Gewässerzustand beim Mühlbach in Stollhofen ist ebenso beklagenswert und hausgemacht. Der Bach verkümmert und verschlammt und nicht erst seit diesem Jahr. Dies beginnt bereits seit Aufgabe der Stauhaltung bei der Stadtmühle. Die gemäß Planfeststellung zugeteilte Wassermenge von 80 l/Sek. wurde nur selten erreicht. Leider stoßen die Bemühungen des NABU hier auf taube Ohren. 

    Und noch ein weiteres Gewässerproblem. Es betrifft den Rheinseitengraben und den Oberen Altrhein (Natursachutzgebiet) direkt neben der Renchmündung am Rhein. Anknüpfend daran üben wir wieder Kritik, dass noch immer keine Lösung in Aussicht ist, dass der einstmals vom Rhein „gekappte“ Obere Alrhein und der dort dahin vegetierende Rheinseitengraben mit einer verlässlichen Wasserzufuhr von Rench oder  Rhein in einen ökologisch normalen Zustand kommt. Die Bemühungen vom NABU gemeinsam mit dem und ASV Lichtenau sind beim Umweltministerium auf wenig Resonanz gestoßen. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten der einzelnen Behörden in beiden Regierungsbezirken haben hier offensichtlich eine negative Auswirkung auf eine zeitnahe und realistische Umsetzung. 

      Dem Artenschutz sind wichtige Naturschutz-Aktivitäten zugeteilt, aber nicht immer „vergnügungssteuerpflichtig“. Zuerst steht hier der Weißstorch im Focus.  In den 80er Jahren war der Wappenvogel des NABU in Baden-Württemberg und im Elsass vom Aussterben bedroht.  Behördlich überwachte Aufzucht-Stationen mit nachfolgenden Auswilderungen neben den zusätzlichen Fütterungen führten hier zu einer explosionsartigen Vermehrung, leider nur in wenigen Landesteilen in Mittelbaden, Gamshurst, Wagshurst, Legelshurst und ….Stollhofen. Im Jahr 2005 gab es nach über 40 Jahren wieder eine erfolgreiche Brut mit zwei Jungvögeln durch  Meister Adebar in Stollhofen, wenige Jahre später in Scherzheim und Schwarzach. In gerade neun Jahren hat sich die Anzahl der Jungstörche von 15 St. auf 36 junge Weißstörche in Lichtenau und Rheinmünster erhöht. Zwischenzeitlich wurde beobachtet, dass immer wieder brütende Störche ihre Jungen nicht durchbringen. Offensichtlich ist die Spitze es Eisbergs erreicht.  

Foto von Herbert Schön – Szenen-Bild der Feierlichkeiten

Ein Katastrophen-Ergebnis mussten wir beim Projekt Steinkauz erleben.  2021 waren es bei fünf Brutpaaren noch 17 Jungvögel. In diesem Jahr hatten wir dagegen einen Totalausfall. Kein einziger junger Steinkauz ist davon gekommen. Die Gründe sind unterschiedlich. 

         Zum Vogel des Jahres 2023 stand zum Redaktionsschluss die abschließende Wahl noch aus. Die Teilnehmer konnten unter insgesamt fünf verschiedenen Vogelarten eine Auswahl treffen. 

     Wir wünschen allen unseren Mitgliedern, Freunden und Gönnern besinnliche                 Festtage und ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2023.             

Herbert Schön, 

Vorsitzender

Foto von Herbert Schön –  Steinkauz-mit Gelege

Natur erleben, kennenlernen und schützen  –  Ökomobil für Ferienkinder 

Für das Kinder-Ferienprogramm konnte der NABU Lichtenau/Rheinmünster wieder das Ökomobil in Lichtenau und Rheinmünster engagieren.  Das Ökomobil nennt man auch als „fahrendes Klassenzimmer“.  mit spezieller Ausstattung  im umgebauten Bus. Moderne Technik mit Bildschirm, Mikroskop oder Fanggeräten für kleine Insekten, neben der vorhandenen Fachliteratur und Schautafeln mit der Darstellung von heimischen Pflanzen und Tieren, stehen hier „griffbereit“ zur Verfügung. Wissbegierige Schulkinder haben hier die Möglichkeit, bereits erworbenes Wissen in Biounterricht bzgl. Pflanzen- und Tierkunde zu vertiefen. Verantwortliche Lehrkräfte beim Ökomobil, – Juliane Zimmermann und Charlotte Backes – stellen hier das fachkundige Personal. 

Eine ganz andere Anschauung erleben die Kinder auf ihrer Entdeckerreise. Gefangene Tiere konnten unter dem Mikroskop vergrößert beobachtet werden.  Die Neugier kannte keine Grenzen. Erklärende Worte des Ökomobil-Teams im Zusammenhang der bildlichen Darstellung über den Bildschirm machten die ganze Sache umso interessanter, Lebewesen in der Natur begreifbarer zu machen. Dabei war die Wissbegier der staunenden Ferienkinder im Alter von 8 – 11 Jahren kaum stoppen. Gefangene Wiesen- oder Wasserlebewesen wie Heuschrecken, Spinnen, Ameisen, Bachflohkrebse, Wasserschnecken oder Wasserskorpione in vergrößerter Form waren bei deren Bewegungen in Vergrößerung zu bestaunen. 

Die Ferienkinder erhielten u. a. auch Hinweise und Tipps, wie die gefangenen Lebewesen beim Einfangen behutsam behandelt und wieder ausgesetzt werden. Kein Tier durfte wegen Unachtsamkeit ums Leben kommen. Die Möglichkeit, die gefangenen Tiere auch in einem Malbuch selbst zu zeichnen, machte offensichtlich richtig Spaß neben den inszenierten Naturspielen in der Gruppe. 

Mit der Aushändigung von Farbtafeln von Insekten bzw. Wassertieren aller Art nebst abschließendem Imbiss wurden die Veranstaltungen mit dem Ökomobil beendet. Alle gefangenen Lebewesen wurden in ihre angestammten Kinderstuben zurückgesetzt.

NABU-Gruppe
Lichtenau/Rheinmünster 

Der Wiedehopf ist der Vogel des Jahres 2022

Fast 143.000 Menschen haben bei öffentlicher Wahl abgestimmt

Der Sieger der Wahl zum Vogel des Jahres steht fest: Der Wiedehopf hat mit 45.523 Stimmen und 31,9 Prozent die meisten Stimmen erhalten. Damit ist er nach dem Rotkehlchen der zweite Jahresvogel, der öffentlich gewählt werden konnte.

Wiedehopf ist Vogel des Jahres 2022. – Foto: NABU/CEWE/Jörg Stemmler

Hier geht es direkt zum Bericht beim NABU:

https://www.nabu.de/news/2021/november/30772.html

NABU Jahresbericht 2021

 Am 5. März 2022 besteht die NABU-Gruppe Lichtenau/Rheinmünster 40 Jahre. Ein bis heute sehr langer, teilweise auch steiniger Weg für die Aktiven und alle weitere Mitglieder vom NABU, die damals mit neuen Ideen im Umwelt- und Naturschutz, insbesondere beim Arten- und Biotopschutz,  Akzente setzen wollten.  

     Über 50 Anwesende beim Deutschen Bund für Vogelschutz -DBV- , seit den 90er Jahren  als NABU bekannt, erlebten im Gasthaus „Lamm“, Lichtenau teilweise eine emotionale Gründungsversammlung unter dem neu gewählten Vorsitzenden Herbert Schön. Die Gründung einer neuen Ortsgruppe bzw. Abspaltung von dem zuvor schon bestehenden DBV Bühl/Achern war alles andere als geplant, jedoch im Nachhinein dringend notwendig. Und nicht überall sind die damals gerade nicht ganz neuen Ideen in den Rheinanliegergemeinden auf Gegenliebe gestoßen. Nicht nur beim Nistkastenbau, sondern  bei vielen Interessenvertreter, Institutionen, Amtspersonen und politischen Gremien mussten die NABU-Aktiven damals dicke Bretter bohren. 

     Manche Probleme haben sich durch die Zeit geregelt, jedoch bei vielen Problemfeldern mussten wir mit Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen an der Sache dranbleiben, bis sich Erfolge einstellten. 

Als herausragendes Beispiel für unsere Bemühungen möchten wir zunächst das Gerangel um die fast endlose Geschichte zur Erhaltung der letzten Westwall-Bunkerruinen als „ökologische Trittbrettsteine“ in der ausgeräumten Landschaft herausstellen. Der Erfolg ist der Hilfe von Presse, Funk und Fernsehen und ebenso der politischer Unterstützung von Abgeordneten geschuldet, die hinter unseren Interessen standen. Letztlich kam ein Kompromiss zustande und so ganz nebenbei konnte der Staat mehrere sechsstellige Summen von Steuergeldern einsparen. . 

     Wachsamkeit und glückliche Umstände in Verbindung mit der  Unterstützung der Kommunen und Abgeordneten nebst der Gründung einer Bürgerinitiative mit Unterstützung von allen badischen und elsässischen Naturschutzverbänden verhinderte letztlich einen irreparablen Geländeverlust und -einschnitt  im badisch-elsässischen Raum. Die Planung der TGV-Schnellbahntrasse sollte von Straßburg-Hörth das Naturschutzgebiet „Roßmörder“ bei Offendorf durchschneiden und mit dem Brückenbau über den Rhein beim Rencheck hätte die hohe Bahntrasse dann Lichtenau und Scherzheim massiv          getrennt (1991).     

     Mit viel Aufwand und finanziellen Mitteln des NABU-Landesverbandes Bad.-Wttbg. konnten wir einen großen Erfolg gegen einen ökologisch hochwertigen großen Geländeverlust „verbuchen“. Der NABU,  gemeinsam mit zwei Bürgerinitiativen in Schiftung und Halberstung, hatte sich seit den 90er Jahren strikt gegen eine neue Straßentrasse zwischen der A 5 zum Baden-Airpark (ehemals NATO-Flugplatz Söllingen) zur Wehr gesetzt. Die Pläne des Landkreises Rastatt  waren mit den gesetzlichen Bestimmungen des europäischen Rechts  nicht vereinbar. Mit einer juristischen Expertise gemäß den strengen europäischen Artenschutz-Bestimmungen „durchkreuzte“ der NABU mit Unterstützung des Landesnaturschutzverbandes das mehr als aufwendige und politisch motivierte Straßenbauvorhaben des Landkreises Rastatt. 

     Kaum war diese langjährige Baustelle ad acta, kam eine neue hinzu: Im Striethwald in Muckenschopf, der sich im Staatsbesitz befindet, wollte der Landesjagdverband Bad.-Wttbg. (LJV) unbedingt ein Schwarzwildgatter zur Ausbildung von Jagdhunden für die Wildschweinjagd errichten. Nachdem hier offensichtlich wurde, dass der LJV nicht mit  offenen Karten gespielt hat. Der NABU, die Stadt Lichtenau und der Ortschaftsrat Muckenschopf haben mit offenem Widerstand die Pläne für eine abgesperrte Enklave mit rund 7 ha mitten im Striethwald verhindert. 

     Rückblickend können wir feststellen, dass vieles im Sinne der Umwelt- und Naturschutzes besser gelaufen wäre, hätte man die ehrenamtlichen Vertreter des Umwelt- und Naturschutzes mit dem Wissen über die örtlichen Gegebenheiten mehr in die Verantwortung mit einbezogen. 

     Ein klassisches Beispiel dazu ist die Rekultivierung des Sehring-Geländes am See II. Zunächst wurde das Areal gänzlich von allen natürlich aufgewachsenen Bäumen, Sträuchern und Gräser in „ Tabularasa-Manier“ platt gemacht werden. Die oft kritisierte große Sandhalde, welche u. a. viele Brutlöcher der seltenen Uferschwalben beherbergte,  musste gänzlich verschwinden. Einen Berg gibt es aber immer noch. Er ist  nicht mehr aus Sand jedoch aus angefahrenem Abraum ohne Brutmöglichkeiten für Uferschwalben. 

Gleiches gilt für die vorhandenen Steilufer, wo Uferschwalben und ebenso der Eisvogel , seine Bruten aufzog. Flachwasserzonen oder Laichzonen für Amphibien funktionieren ebensowenig, weil der Wasserstand dazu nicht ausreicht. Als besonders misslich müssen wir hier das Hin- und Herschieben der Zuständigkeiten der beteiligten Ämter rund um das Rekultivierungsgebiet bezeichnen.  

     Dem Nabu und der Bevölkerung ist nicht entgangen, dass sich das große Areal rund um See II zwischenzeitlich zu einer Abraumhalde entwickelte, wozu Bodenabraum aus großen Entfernungen über drei Jahre angefahren wurde. Die schon fast schon abgeschlossene Wiederaufforstung ist nach unserem Ermessen eher eine (gesetzliche) Alibi-Funktion. 

     Das Ulmer Rathaus wurde in diesem Jahr kurzerhand mit dem Neubau eines Horstes in den „Besitz“ von Meister Adebar genommen. Die Aufwärtsentwicklung bei den Weißstörchen hält immer noch an und wird, zumindest in einzelnen Ortschaften wie Stollhofen oder Gamshurst, nicht mehr ohne weiteres mit Beifall begrüßt. Einzelne Hausbesitzer haben dabei mit Schmutz und anderen Unannehmlichkeiten zu kämpfen. In Stollhofen sind es mittlerweile 11 Horste.  Zusammen zählen wir in  Rheinmünster und Lichtenau nun 19 Horste mit Bruten, während die  Anzahl der Jungstörche sich gegen 30 bewegt. Rund 70 % der Jungstörche überleben das erste Lebensjahr nicht. 

     Unserem langjährigem „Storchenvater“ und Berater Josef Günther aus Bühl-Moos dürfen wir an dieser Stelle  für seine jahrelange Unterstützung unseren öffentlichen Dank übermitteln. Er hat im hohen Alter nun seine Aktivitäten für das Weißstorchprojekt eingestellt und sein Ehrenamt in jüngere Hände gelegt. 

     Nach dem letztjährigen Zwischenhoch bei der Steinkauz-Population mussten wir in diesem Jahr wieder einen Rückgang der Bruten verbuchen. Ausgerechnet dort wo in Kürze ein Neubaugebiet in Lichtenau-Ulm entstehen soll, wurde das Top-Brutrevier vom Steinkauz verlassen. Nun gibt es nur noch fünf Brutpaare des Steinkauz‘ in Lichtenau und Rheinmünster! Unsere ökologischen Bedenken gegen das Neubaugebiet haben wir bei der Stadt Lichtenau bereits schon frühzeitig schrifltich vorgetragen. 

             Frustrierend ist der Amphibienschutz im Hohlerwald von Stollhofen. Waren es Jahr 2018 noch über 1.500 Lurche, so konnten wir 2021 leider nur sehr wenige Erdkröten und Frösche aufsammeln, gerade mal 20 Stück!!!

Nach diesem dramatischen Rückgang bleibt die Frage offen, trotz zunehmender Trockenheit weiter davon abzusehen, dass immer noch das Grundwasser über die künstlich angelegten Areko-Gewässer nutzlos von Feld und Wald abgezogen wird.  

Herbert Schön, 

Vorsitzender